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Kazanie ks. Andrzeja Fobera (jęz. niemiecki)

"WIR DANKEN DIR, HERR, ALLMÄCHTIGER GOTT, DER DU BIST UND DER DU WARST, DASS DU AN DICH GENOMMEN HAST DEINE GROßE MACHT UND HERRSCHEST!" (TAGESLOSUNG AM 21. OKT. AUS OFFB.11,17)

 

ks. Andrzej FoberLiebe Schwestern und Brüder!
 
Viele Freunde unserer Gemeinde haben zu diesem Anlass der Gemeinde und mir ihre Wünsche ausgerichtet. Dazu auch Eckhard Gehler,
stellv. Vors. des Kirchenvorstandes der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Johannis Freiberg:
„Ihre Mail ist in unserer Gemeinde angekommen. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Pfarrer Tetzner zur Zeit im Urlaub weilt.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen zu Ihrer Einführung und viel Freude und Erfolg in Ihrem neuen und doch schon bekannten Amt“.
 
Diese Nachricht hat mir viel Freude bereitet. Tatsächlich bin ich seit sechs Jahren in der Gemeinde tätig und allen schon gut bekannt. Man kennt mich, mein Gesicht, meine Stimme, meine Familie, meine guten und schlechten Seiten. Vielleicht erwartet jemand, dass ich als Inhaber der Pfarrstelle in St. Christophori zu Breslau jetzt ein neues Programm für die Zukunft der Gemeinde darstelle oder wie ich jetzt die ganze Arbeit der Gemeinde neu gestalten möchte. Da muss ich Sie leider enttäuschen! Nichts grundsätzlich Neues erfahren Sie von dem neuen Pfarrer in St. Christophori zu Breslau. Vielmehr möchte ich mit Ihnen ein paar Gedanken darüber teilen, was mir diese sechs Jahre in Breslau geworden sind.
 
Zuerst möchte ich sagen, dass ich Gott und vielen Menschen dankbar bin für diese Zeit in Breslau. Sie kennen mich, aber ich kenne auch die Gemeinde mit ihren vielen Angelegenheiten, mit ihrer Geschichte und Tradition. Heute übernehme ich diese Pfarrstelle und möchte damit klar sagen: So Gott will, möchte ich den wahrscheinlich letzten Abschnitt meines Dienstlebens in Niederschlesien, Breslau, in der St. Christophorigemeinde, mit Ihnen, liebe Schwestern und Brüder erleben. Es ist keine leichte Entscheidung gewesen, weil dieser Entscheidung auch Konsequenzen folgen. Ich werde die jetzt nicht alle nennen können, aber ich möchte sagen, dass unsere Gemeinde wirklich eine außergewöhnliche Gemeinde ist, und dadurch hoch interessant und spannend.
 
Sie ist eine Gemeinde der Verbliebenen, denen nach dem Krieg fast niemand einen Platz in Schlesien gewähren wollte und über die heute fast niemand spricht und denen niemand ein Zentrum oder Denkmal errichten möchte. Getragen wurde die Gemeinde fast seit Ende des Krieges vor allem von Frauen, die hier vor dem Krieg, im Krieg, in der Festungszeit und in der Nachkriegszeit gelebt haben und von denen viele noch heute leben. Als sich im Frühsommer 1947 die Deutsche Evangelische Kirche in Schlesien offiziell mit dem Gottesdienst und Predigt von Pastor Konrad in der Elisabethkirche verabschiedete, dachten die Verbliebenen immer noch an einen Gottesdienst in ihrer Sprache! Nicht nur in Breslau, sondern auch in vielen anderen Orten Schlesiens.
 
Bis vor 13 Jahren gab es keine Christophorigemeinde. Es gab eine Seelsorge in der „nicht polnischen Gemeinde“. Ohne Pfarrhaus, ohne Pfarrstellen, ohne Adresse, ohne Bankverbindung, ohne Autos, ohne Telefon, ohne alles. Gott sei Dank, dass das Konsistorium in Warschau (Warszawa) - auch nicht ohne Probleme - als alle deutschen Pastoren nicht mehr predigen durften, immer einen Pastor der Kirche bereit stellte, der Deutsch sprach, und bereit war, neben der Leitung polnischer Gottesdienste in seiner Gemeinde auch die Deutschen zu betreuen. So blieben die Verbliebenen nicht ohne das, was ihnen sehr wichtig war, nicht ohne Wort Gottes in ihrer Sprache. Nur in der ihnen vertrauten Sprache konnte das Wort Gottes wirklich verstanden werden.
 
So ist eine Tradition entstanden, eine besondere Zugehörigkeit und Identifikation, die man heute St. Christophori nennt, weil im Jahr 1958 diese Kirche (St. Christophori) den Deutschen in Breslau zur Verfügung gestellt wurde. Sie pflegten die Kirche und den Glauben - oft ohne eine Perspektive zu haben, wie es weiter gehen würde. „Wer wird es weiter machen? Wer wird unsere Tradition pflegen? Wer wird weiter uns das Wort predigen?“ - so war die Frage, als Pastor Wolfgang Meissler sie verlassen musste. Fragen über Fragen, aber auch die Hoffnung, dass Gott die Seinen nicht vergisst! Dann kam Pastor Zajączkowski, Pośpiech, dann kam Pastor Borski und die politische Wende.
 
Heute ist die St. Christophori Gemeinde nicht nur die Gemeinde der Verbliebenen, sondern auch die Gemeinde der Neuzugezogenen und Touristen. Jetzt hat sie ein Pfarr- und Gemeindehaus, zwei Pastoren, zwei Kirchen, einen Gemeinderat und Vertreter in der Synode der Diözese, eine Sekretärin, Gemeindeschwester, Verleihstation der Rehageräte, geleitet von Frau Kołtuniewicz, eine Reihe von jungen Kantoren und Kantorinnen, die bei Herrn Marek Pilch im Institut der Kirchenmusik in Breslau nicht nur die Kunst der Fuge beherrschen lernten, sondern auch uns zu begleiten in Gottesdiensten in Lauban, Bad Warmbrunn, Schweidnitz, Liegnitz, Waldenburg und hier in Breslau. Es gibt eine weitere Reihe von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die unsere Angelegenheiten außerhalb von Breslau erledigen: Frau Langierowicz, Frau Böhme, Frau Wiemer, Frau Seta, Frau Szemplińska, Frau Dorda und andere. Wir alle und unsere Freunde, die z.T. weit in der Welt verstreut sind, unterstützen ein Phänomen namens St. Christophori Gemeinde. Diese Gemeinde mit allen eben genannten Personen und Einrichtungen ist die einzige Gemeinde deutscher Sprache in Polen und tut ihren Dienst für alle, die Deutsch sprechen und Christen sind. Das alles nicht, um irgendwelche politischen oder finanziellen Ziele zu erreichen, sondern damit das Wort Gottes gepredigt wird, so dass jeder Deutschsprechende, der sich für kurz oder lang gerade in Schlesien aufhält, nicht ohne Betreuung in seiner Muttersprache bleiben muss.
 
Seit einem Jahr hat unsere Gemeinde auch einen anderen Boten, den Christophoriboten, unseren Gemeindebrief, für den unser Pastor-Vikar Dawid Mendrok wesentlich verantwortlich ist. In deutscher Sprache verfasst, verbindet er unsere verstreuten Gemeindeglieder in Schlesien untereinander und auch mit vielen Freunden in der Welt. Wir sind sicher, dass monatlich fast tausend Menschen in der ganzen Welt die frischen Nachrichten aus unserer Gemeinde lesen. Dem Pastor-Vikar Dawid Mendrok bin ich für diese außergewöhnliche Leistung auf diesem einem von vielen Feldern der Gemeindearbeit sehr dankbar.
 
So möchte ich - so Gott will - weiter die Gemeinde leiten, dass sie offen bleibt für alle und vor allem offen für das Wort Gottes, offen für das, was Gott mit uns vorhat. Meister Eckhard sagte einmal: Das schönste und mutigste Gebet lautet: „Herr mach mit mir, was Du willst!“
Eine offene Gemeinde in einer offenen Stadt, in der die Menschen kommen und gehen, etwas bringen, aber auch etwas auf den Weg mitnehmen – solche Gemeinde möchten wir sein. Eine Gemeinde, die jeden Gottesdienst mit Abendmahl feiert und dankt und sich freut, dass Gott einen Freiraum für uns selbst geschaffen hat: Das Brot des Abendmahls, in dem er sich selbst den Menschen in die Hände legt. Dieser Freiraum muss das Fundament einer Gemeinde und der Kirche sein, wo alle, die kommen und gehen, mit den Augen Gottes gesehen werden sollen. Dann steigt die Chance, dass mein Wunsch, als Pfarrer der Gemeinde gerecht und effektiv handeln zu wollen, auch etwas mehr Wirklichkeit wird, weil meine Augen hier - im Freiraum Gottes - lernen, mit den Augen Gottes zu sehen: Voll Achtung für sein ganzes Geschöpf.
 
Ich möchte die Predigt beenden, wie ich sie angefangen habe, mit einem Brief, der vor kurzem bei uns angekommen ist:
 
Sehr geehrter Herr Pfarrer Fober,
sicherlich sind Sie erstaunt, diese Zeilen von mir zu lesen, da Sie mit meinem Namen ja noch nichts verbinden. Ich war bei der Tagung der Evang. Kommission v. 28.9.- 1.10.06 in Breslau dabei (obwohl ich kein Geistlicher, sondern Kaufmann bin). Sie haben am 30.9. die Andacht gehalten und uns so kundig und humorvoll durch Breslau geführt. Wir haben uns zwischendurch auf Polnisch unterhalten (ich bin Spätaussiedler aus Westpreußen). Am Sonntag haben Sie mich kurz vor dem Bahnhof noch herzhaft hupend gegrüßt. Sie erinnern sich?
 
Als ich vor der Wahl stand, den Gottesdienst in der Hof- oder in der Christophorikirche zu besuchen, habe ich mich spontan für Ihre Kirche entschieden (und viele andere auch). Und ich habe es nicht bereut: Ihr Erntedankgottesdienst (mit Unterstützung des deutschen Chores) hat mir sehr gut gefallen. Ich war seit langer Zeit mal wieder beim Abendmahl und glaube, dass ich in Zukunft regelmäßiger daran teilnehmen werde. Sehr geehrter Herr Fober, es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen zu sagen, dass ich froh bin, Sie kennen gelernt zu haben und dankbar bin für die schönen und interessanten Stunden mit Ihnen.
 
Ich habe diese Mail mit Absicht zitiert, weil darin eine Antwort steckt, warum die St. Christophorigemeinde so vielen so wichtig ist. Weil wir tun, was jede Gemeinde tut - egal in welcher Sprache - wir verkünden das wahre Evangelium von Jesus Christus und führen die Menschen zu ihm. Das schönste dabei ist, dass ich, ein armer, sündiger Mensch, andere Sünder zu Christus führen darf, und nicht nur die, die in Breslau und Schlesien wohnen und unsere Gemeindemitglieder sind.
 
Seit Ende des Krieges haben viele in der St. Christophori Gemeinde die wunderbare Wirklichkeit des Wortes für den heutigen Tag - nach den Herrnhuter Losungen - erfahren:
 
"WIR DANKEN DIR, HERR, ALLMÄCHTIGER GOTT, DER DU BIST UND DER DU WARST, DASS DU AN DICH GENOMMEN HAST DEINE GROßE MACHT UND HERRSCHEST!"
 
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende! 
 
Amen.
 

Pfarrer Andrzej Fober
21.10.2006.